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„Das Chaos ist das System.“

Nun ja, was wäre unser Aufenthalt ohne Kirill in Nizhny Novgorod geworden? Nicht halb so spannend! Kirill haben wir auch über Couchsurfing kennengelernt. Wir haben eigentlich seine Stadt kennengelernt. Sein Nizhny Novgorod oder wie er es nennt: NiNo! Sie wird allgemein als schönste Stadt Russlands bezeichnet. Dies können wir gewiss bestätigen. Mit ihrer Lage am Zusammenfluss der riesigen Flüsse Wolga und Oka, schaut man vom Kreml (ja, den gibt’s auch hier) in die untergehende Sonne auf die funkelnden breiten Flüsse. Obwohl es auch hier über 1,3 Millionen Einwohner gibt, hat es einen Kleinstadtcharakter, was in diesem riesigen Land so gemütlich erscheint.



Eine Besonderheit sind die Uferpromenaden. Von denen gibt es nämlich gleich zwei – eine obere und eine untere. Die untere Promenade wurde erst im Herbst 2012 erneuert. Über die Wolga führt neben einer Brücke auch eine Seilbahn, die NiNo mit einer kleinen Industriestadt verbindet.


Hier trifft man brutal auf alt und neu. Das neue Schick hier sind die Plattenbauten – da wohnt der moderne Russe aus NiNo. Daneben gibt es die alten typischen russischen Holzhäuser, welche aufgrund ihres Zustandes abgerissen werden müssen. Kirill liess uns in seiner kleinen Wohnung leben, während er so lange bei seiner Mutter wohnte. Ja, was gibt es zu sagen zu Kirill? Kirill ist wie ein alter Kumpel, den wir vor 2 Jahren mal in Berlin kennengelernt haben und den wir nun, wie versprochen, in seiner Heimatstadt besucht haben. Das ist natürlich Quatsch aber genauso hat es sich angefühlt – wir besuchten einen Freund und nicht irgendeinen Couchsurfer, bei dem wir netterweise wohnen durften. Kirill ist 24 Jahre jung, studierte Germanistik, lebte einige Monate in Dortmund („Da gibt es nichts! Also ich meine so gar NICHTS!“) und Berlin, wo er u.a. in Rahnsdorf im Alter von 16 Jahren das Fahrradfahren erlernte. Er spricht perfekt Deutsch und vor allem spricht er es sehr akzentfrei. Kirill ist ein Energizer, wie sein Vater sagt, und er hat vollkommen recht damit. Er sprüht vor Energie und Intelligenz, was ansteckend wirkt. Er kennt jeden Winkel seines NiNos und zeigt dies mit so viel Freude, dass man sich nur  verlieben kann in diese Stadt. Ihn gastfreundlich zu nennen, wäre noch untertrieben. Vor allem aber ist er so ungewollt komisch. Sein Deutsch war genial. Neben dieser perfekten Aussprache und gewählten Wortwahl, fielen auch Sätze wie „Ick bin schon ne alte Quatschtante“ oder „Ist auch so Schickimicki alles“ und „Fahrn wa erst mal zu meiner Bude“. Gerne hängt er auch ein „chen“ an die Wörter. So haben wir Bierchen getrunken und schöne Häuschen angeschaut.


Ausserdem regt er sich gern über die Fahrweise seiner Landsleute auf. Hier gilt: das grössere, teurere Auto darf alles. Seine Lache wirkt ansteckend. Dann schaut er einen an und schüttelt mit Schwung sein Haar von links nach rechts.



Sein Grossvater stammt aus Besserabien (heute Moldawien) und ging als junger Mann nach NiNo. Dort lebte er im Männerkloster und verkaufte Bücher auf dem Markt. Auch haben wir Kirills Vater kennengelernt. Dieser leitet riesige Bauprojekte in der Stadt und man ist so voller Elan, da alles im Aufbruch ist. Wir sassen in Bars und Kaffees und Kirill erzählte, dass es das alles vor 10 Jahren nicht gab. Nichts gab es. Die 90er Jahre werden hier gerne ausgelöscht und Putin findet man überhaupt nicht schlimm. Wir sind oft schon müde von allem aber hier konsumiert der Russe bis zum Umfallen. Der Handyverkäufer verdient hier mehr als ein Lehrer oder Arzt. „Das ist der absolute Kapitalismus“ um es mit Kirills Worten zu sagen.


Übrigens ist Till Schweiger in Russland sehr populär. Auch laufen hier die Filme „Keinohrhasen“ oder „Zweiohrküken“, jedoch übersetzt man diese beiden Titel aus dem deutschen ins russische wie folgt: „Hübscher Mann 1“ und „Hübscher Mann 2“.


Kirill, falls Du das liest, noch mal Tausend Dank. Du bleibst im Kopf :) und jede Distanz beträgt jetzt immer 7 Minuten ;-)!

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