Ein Gewitter zieht auf…

Wir entschieden uns für Gili Air, der zweitkleinsten Insel der Gili Islands. Dort wollten wir eine Woche verbringen und für einmal Strand und Sonne ausprobieren.

Gili Air hat man locker in einer Stunde umrundet – zu Fuss. Besonders angenehm ist hier, dass es keine Autos oder Motorräder gibt. Stattdessen gibt’s hier Pferd und Wagen, das Fahrrad oder die eigenen beiden Füsse. Obwohl wir sehr sonnenscheu sind und diese hier besonders warm schien, verbrachten wir die meiste Zeit auf dem Wasser, im Wasser oder unter Wasser. Aber nach ein paar Tagen kam bei uns die Langeweile leicht durch. Daniel ist noch eher in der Lage mal nichts zu tun und ich wippte schon wieder mit dem Bein.



In besonders intensiver Erinnerung blieb uns die letzte Nacht auf dieser Insel. Wir lagen in unserer kleinen Bleibe bestehend aus einem kleinen Schlafzimmer von dem eine Seite verglast war und einem anschliessenden Bad aus Beton und Plastedach. Wir hörten schon in der Ferne ein Gewitter aufziehen. Dieses zog dann aber auch recht schnell genau über unsere kleine Insel und schien dort stur kleben zu blieben. Die anfänglich gewöhnlichen Blitze gingen in einen Ganzkörper Röntgenapparat über. Diese Blitze schmerzten richtig in den Augen. Es schien als seien 100 Kameras mit Blitzlicht in unserem Zimmer aufgebaut. So gab es einen Wechsel zwischen stockduster und hell durchleuchtet in unserem Zimmer. Immer wenn es blitze sahen Daniel und ich unsere panischen Gesichter, die verschoben mit aufgerissenen Augen in dem Blitzlicht für einige Sekunden aufschreckten. Dazu kam dann der unmittelbar folgende Donner, der unser Häuschen zum beben brachte. Ich hielt mir die Ohren zu. Doch dann fing es an zu regnen. Ich sprang aus dem Bett weil ich Angst bekam da ich dieses Geräusch nicht einschätzen konnte. Ich riss den Vorhang weg und sah vor mir dicke Seile regnen. Unser Haus hatte ein Wellblechdach auf dieses nun dieser Platzregen drauf donnerte. Daniel und ich schrien uns an da wir uns nicht mehr verstehen konnten auf Grund der enormen Lautstärke des Regens. Dieses Geräusch war so ohrenbetäubend. Wir dachten die Welt geht eben mal kurz unter.

Dieser monströse Platzregen begleitet von Mega-Blitzen und Bass-Donnern hielt 10 Minuten an. Dann war es plötzlich totenstill draussen. Wir legten uns wieder hin und versuchten wieder zu schlafen. Nach einer viertel Stunde ging das Ganze von vorne los. Platzregen auf unser Wellblechdach und Röntgenblitze, dazu unsere aufgrissenen Augen und offener Mund. Ein schöner Anblick. Dieses lustige Gewitter im Wechsel von Totenstille und einem Geräusch als liege man neben einem startenden A380 unterhielt uns die ganze Nacht. Gegen 5 Uhr morgens beruhigte sich das Wetter wieder und wir schliefen für knappe 2 Stunden.


Wir mussten dann gegen 7 Uhr schon wieder aufstehen damit wir pünktlich unser Boot nach Bali bekamen. Aufgrund des Wetters und der starken Wellengänge auf dem offenen Wasser durften die Fast Boats die nächsten Tage nicht verkehren, welche uns in ca. 2,5 Stunden von Gili Air nach Bali gebracht hätten. Alternativ nahmen wir das Slow Boat , eine Fähre nach Bali da wir unseren Flug nach Singapur nicht verpassen wollten. Aus den flinken 2.5 Stunden wurden hier 12! Eine Odyssee begann.


Wir flitzen mit unseren Rucksäcken auf dem Rücken zum Hafen runter und warteten mit vielen anderen Reisenden auf unser erstes Boot das uns erst einmal nach Lombok bringen sollte. Wir stiegen alle in ein kleines Holzboot. Ca. 40 Personen mit samt Gepäck und gelegentlich ein Surfboard. Auf kleinen Holzbänken sassen wir uns alle gegenüber im Boot. In der Mitte rollten riesige Rollkoffer umher und fette Rucksäcke knallten gegen die Knie. Und los ging die Fahrt. Schon als wir den Hafen verliessen, hatte das Boot einen starken Rechtsschlag so dass die Reisenden rechts gelegentlich das kalte Ozeanwasser in den Rücken bekamen. Wir sassen links und irgendwie beugten sich alle links sitzenden Reisenden immer stärker nach hinten um das Boot irgendwie wieder in eine gerade Lage zu bekommen. Manchmal schaukelte es so stark nach rechts, dass wir regelrecht auf die uns gegenüber sitzenden hinunter schauten. Wir sprachen alle kaum ein Wort miteinander, aber die Angst sah man in allen Gesichtern. So tuckerte das Boot eben stark rechts liegend rüber nach Lombok. Nach ca. 30 Minuten erreichten wir die andere Uferseite. Der Bootsführer versuchte vergebens eine Stelle am Ufer zu finden an welcher wir anlegen konnten. Doch die Wellen schlugen so stark und gewaltig ans Ufer, dass wir scheinbar nirgends anlegen konnten. So drehte er links ab und wir fuhren das Ufer auf und ab und versuchten eine Anlegestelle zu finden. Ca. 5km vom Hafen entfernt strandeten wir endlich am Strand. Mit wackeligen Beinen hüpften alle aus dem Boot.

Dann stand da eine Traube von Reisenden und wusste nicht wohin. Kleine Indonesier liefen auf uns zu und wollten uns mit dem Moped zum grossen Hafen bringen, der auf der anderen Seite der Insel lag. In Lombok mussten wir nämlich noch den Hafen wechseln. Doch zwei Stunden über ne Insel brettern auf nem Moped mit riesen Rucksack auf dem Rücken und kleinem Rucksack vor der Brust war uns nicht ganz geheuer. Zudem war es schon organisiert, dass wir abgeholt werden sollten mit einem Bus. So standen wir da und andere Indonesier liefen um uns herum und teilten uns in Grüppchen ein.

Dann schrie einer, dass wir jetzt in das Auto da einsteigen sollten. Also wurde die erste Gruppe in einen Van gestopft. Wir rutschten mit dem Auto durch Schlamm und suchten unseren Weg durch den Dschungel vor zur Hauptstrasse. Nach 20 Minuten wurden wir in einem Restaurant abgesetzt. Dort sassen und sassen wir, bis plötzlich wieder einer schrie „Jetzt da einsteigen!“. Diesmal sollten nur Daniel und ich einsteigen. Als ich die Tür von dem Van öffnete, stellte ich fest, dass der Boden fast vollständig weggerostet war. Eine Decke drüber und dann geht das. Die Sitze waren kaputt und versifft. Aber dies sollte uns egal sein. Wir fuhren nun wieder an die Stelle wo unser Holzboot gestrandet war.

Dort sammelten wir wieder andere ein, welche bereits mit uns zusammen von Gili Air nach Lombok übersetzten. Diese sassen die ganze Zeit am Strand und warteten, dass endlich jemand kommt. So fuhren wir nun endlich an den grossen Hafen. Die Fahrt dauerte ewig. Wir sahen aus dem Fenster und erfreuten uns der schönen Bilder. Hier und da luden wir noch Einheimische ein, welche mit riesigen Säcken Kartoffeln oder noch riesigeren Bananenstauden einstiegen. Die Zeit wurde knapp. Die grosse Fähre sollte laut Fahrplan um 12 Uhr ablegen, doch das schafften wir doch nie.

Letztendlich kamen wir um 12:30 Uhr an und alle anderen Reisenden sassen auch noch im Hafen. Dann ging es fix und wir konnten an Bord. Unten parkten Autos, Busse und LKWs und in der mittleren an beiden Seiten offenen Etage sassen die Passagiere. Am vorderen Ende gab es eine Art Bar wo Getränke und Chips verkauft wurden. Dann dachten die Verkäufer, dass sie die Reisenden doch unterhalten müssen und drehten in voller Lautstärke so richtigen Techno auf. Rechts auf dem grossen TV lief scheinbar ein Homemade Video, in welchem sich zwei Damen zwischen bunten Lichtern tanzend bewegten. Dazu kamen kleine Verkäufer vom Land und stürmten das Boot regelrecht. Auch sie versuchten Cola, Zigaretten und Chips zu verkaufen. So liefen diese noch zusätzlich zu dem schrecklichen Rave aus den knarrenden Boxen durch die Gänge mit riesigen vollgestopften Tabletts auf dem Arm und schrien „Mini Market“…..“Mini Market“.


Das ganze begleitet von unerträglicher Hitze. Doch dann fasste ein Franzose allen Mut zusammen, stand auf, stapfte nach vorne und bat den Barmann sehr deutlich doch bitte diese brutale Musik auszustellen. Daraufhin bekam der Franzose einen tosenden Applaus von allen anderen Anwesenden auf dem Boot. Und schon war die Musik aus. Danke!


So sassen wir noch eine Stunde und es passierte nichts auf dem Boot. Neben uns legten die anderen Fähren an und ab, nur unsere blieb stur stehen. Mittlerweile lagen die Leute auf unserem Deck überall verteilt. Offene Münder und Schnarchen prägten das Bild. Dann ertönte das Horn auf unserer Fähre und wir legten endlich ab. Im TV vorne unterhielt uns nun Conan aus dem Jahre 2011 welcher barbarisch alles köpfte und Augen ausstach. Ich stellte meine Musik im Ohr auf volle Lautstärke.



Auch auf dieser Fahrt schlugen die Wellen an unser Schiff und wir schaukelten langsam aber heftig von rechts nach links. Daniel wagte es auf dieser 5-stündigen Fahrt nicht aufzustehen. Das Schaukeln setzte ihm ordentlich zu. Immer wenn man von der Mitte nach draussen schaute, verschwand der Horizont völlig, wenn die Fähre so stark von der Welle und dem Wind nach rechts oder links gedrückt wurde. Es war bereits stockfinster draussen als wir endlich in Bali anlegten. Dort wartete bereits ein anderer Bus, welcher mit uns vollgestopft wurde und uns nach Ubud bringen sollte. Gegen 21 Uhr kamen wir dann in unserer schönen Bleibe an und fielen todmüde aufs Bett.

Hier krähte stattdessen der Hahn aus vollem Halse nachts um 2 Uhr. Vielleicht hatte er schlecht geträumt!?