Namaste

Wie fast jeder Tourist endeten wir erstmal in Thamel. Dieser Teil von Kathmandu besteht ausschliesslich aus Hotels, Restaurants, Souvenir Shops und Massen an Outdoor Läden. Hier treffen sich alle Backpacker, geniessen das Leben und kleiden sich von Kopf bis Fuss mit North Face, Jack Wolfskin oder sonstigen Fake Marken ein.

Kathmandu ist eine laute, dreckige und volle Stadt. Autos, Motorräder und Fussgänger teilen sich die engen Gassen Thamels. Es wird gehupt was das Zeug hält. Hier scheinen die Hupen besonders lästig, da sie so schrill und laut sind, dass man jedes Mal gegen eine Hauswand springt vor Schreck wenn es direkt hinter einem hupt. Des Öfteren steht auch mal eine Kuh im Weg und man muss sich an ihr vorbei drängeln. Überall ist es sehr staubig und durch die Autos wird der Staub jedes Mal so aufgewirbelt, dass man sich ein Tuch vor die Nase hält. Auch hier ist man von Smog umgeben und nach einer Weile tut das Atmen weh.

In den Gassen Thamels versuchen Nepalis entweder Marihuana oder Tiger Balsam an den Mann zu bringen. Gern auch mal ein Miniatur-Schachspiel mit wahrscheinlich dubiosem Inhalt.


In Nepal herrscht ein anderer Rhythmus in Bezug auf Tag und Nacht. Strom ist hier eher ein Luxusgut und viele Häuser, vor allem in den ländlichen Gegenden, haben zum Beispiel gar keinen Strom. Es gibt lediglich Solarenergie. Auch diese muss sehr sparsam genutzt werden. Da es schon um 18 Uhr stockfinster ist, geht ein Grossteil der Nepalis bereits um 20 Uhr ins Bett. Aufgestanden wird um 5 Uhr.

Wenn man in Kathmandu um 21 Uhr durch die Strassen läuft, herrscht eine gruselige Atmosphäre. Alle Fensterläden sind zu und nur noch vereinzelt haben Bars auf dem Dach oder Restaurants im Hinterhof geöffnet. Auf den Strassen ist es finster. Es gibt keine Laternen. Oft liefen wir im Schnellschritt zurück zu unserer Unterkunft. Wir passten uns dem Rhythmus an und hatten Zeiten, bei denen auch wir um 20 Uhr im Bett lagen und 6 Uhr wieder aufstanden.


Sehr spontan entschieden wir uns einen Rundflug zum Mt. Everest zu buchen. Ohne darüber nach zudenken, sassen wir ein paar Tage später in der Buddha Air und flogen am Himalaya entlang. Alle liefen im Flieger umher und rutschten von einer Seite auf die andere. Nur ich blieb wie gewohnt fest angeschnallt sitzen und überwachte mit bösem Blick dieses Hin und Her im Flieger. Daniel machte fleissig Bilder. Ich betete stattdessen.



Wir verbrachten noch ein paar Tage in Kathmandu und auch eine Nacht in Bhaktapur. Bhaktapur ist ist neben Kathmandu und Lalitpur mit über 81.000 Einwohnern die dritte und kleinste der Königsstädte des Kathmandutals in Nepal. Mehr Infos zu Bhaktapur könnt ihr auf Wikipedia nachlesen.


Dann machten wir uns dann auf den Weg nach Pokhara. Statt die ganze Zeit im Bus zu verbringen, wählten wir für einen Abschnitt zwischendurch ein Boot. Nicht irgendein gemütliches Boot, sondern ein Water Rafting Boot. Keinerlei Ahnung was uns erwarten würde, fuhren wir früh am Morgen mit dem Bus in Kathmandu los und wurden dann am Strassenrand rausgeschmissen, wo unser Rafting Guide bereits auf uns wartete. Man drückte uns Paddel und Schwimmweste in die Hand und wir liefen runter zum Fluss. Es gab eine kleine Einführung mit den Kommandos und los ging es. Neben gemütlichen Passagen gab es natürlich auch die wilden Stromschnellen, die wir durchfahren mussten. Meterhoch schossen wir mit unserem Gummiboot in die Luft. Wir schrien wie verrückt was dann aber in endloses Lachen übergehen sollte. Geteilt haben wir uns das Boot mit Matthias und Heike aus Jena. Unser Guide sass hinten und lachte teuflisch wenn wir in eine Stromschnelle regelrecht hineinflogen. Komplett nass kamen wir weiter flussabwärts am Ufer an. Rausgefallen ist keiner. Das Wasser war so brutal kalt, so dass jeder versuchte mit aller Macht nicht aus dem Boot zu fallen. Die Nacht verbrachten wir im Zelt am Flussufer an einem kleinen Strand.



Am nächsten Tag ging es weiter mit dem Boot. Gleiche Laute und noch wilderes Wasser.

Nach dem Rafting mussten wir noch ein paar Stunden mit dem Bus zurücklegen um in Pokhara anzukommen. Unser Guide stoppte einen Local Bus, welcher zu Beginn noch zwei Plätze frei hatte. Für mich war diese, von all unseren Busfahrten, die schlimmste. Wir sassen in der letzten Reihe. Es schien als hätte man zwischen die Sitze einfach noch mehr Sitzreihen gestopft. Wir sassen da hinten und hatten die Ohren an den Knien. Auf uns drauf lag unser Rucksack. Als ob dies nicht ausreiche, wird in Nepal der Bus bis zur Unkenntlichkeit besetzt. Nach jedem Halt füllte sich der Gang im Bus. Es wurde plötzlich sehr dunkel da überall Menschen klebten. Auch auf dem Dach machte man es sich bequem. Es hörte nicht auf. Immer mehr Menschen stopften sich in den Bus. Ich bekam Panik. Ich schrie einfach laut. Alle drehten sich um. Ich konnte nicht anders. Es kam einfach raus. Ich hörte laut Musik und machte Atemübungen, da ich das Gefühl bekam zu ersticken. Ich konnte fast nichts mehr sehen vor lauter Menschen. Wir waren heilfroh als wir nach 5 Stunden ankamen.


Pokhara mit seiner Lage am Phewa See gefiel uns viel besser als Kathmandu. Es war weitaus kleiner und es ging allemal friedlicher zu.



Um unser Angstbewältigungsprogramm fortzuführen, buchten wir uns einen Paragliding Flug. Am Morgen wurden wir abgeholt und rumpelten mit einem Van den Berg hoch. Dann ging alles sehr flott. Ein riesiger Schlüpper wurde uns angezogen und wir wurden am Gleitschirm bzw. am Pilot befestigt. Dann wurden wir hingestellt und wir bekamen den Befehl einfach loszulaufen. Auf den Abhang zu. Irgendwann fliegen wir dann. Wir dachten keine Sekunde nach. Wir liefen auf den Abhang zu als ginge es um unser Leben… und plötzlich hast du keinen Boden mehr unter den Füssen. Was für ein Gefühl! Du fliegst und fliegst und fliegst. Ich bekam gleich Panik als bei meinem russischen Piloten Romanski ein Gerät wie wild anfing zu piepen. Er lachte über meine Panik und erklärte, dass wenn wir schnell hoch steigen das Gerät laut und immer schneller piept. Das Piepen wurde fast ein durchgehender Ton. Der Wind wurde immer stärker und mir flog die Rotze aus der Nase. Ich suchte Daniel am Himmel, der mit einem ehemaligen Flugzeugpiloten aus Nepal unterwegs war. Der Flug war einfach toll. Irgendwann fragte Roma ob wir etwas Akrobatik am Himmel machen wollen. What?

Ich sagte ja. Daraufhin lenkte er den Schirm nach vorne so dass es keinen Aufschwung mehr gab und wir im freien Fall nach unten schossen. Ich schrie mir ein paar Sekunden die Seele aus dem Leib während der Russe lachte. Mein Schreien ging auch in Lachen über und wir wiederholten den freien Fall mehrmals. Auch Daniel hatte das Vergnügen und schoss steil auf den Boden zu. Es war das Beste was wir je getan haben. Wir kamen mit wackligen Beinen am Boden an und lagen noch eine halbe Stunde im Gras und starrten in den Himmel. Bah, das war einfach toll. Das schreit nach Wiederholung.



Die restlichen Tage genossen wir in Pokhara und fuhren gemütlich auf dem See mit einem undichten Holzboot oder assen Pizza (Western Food ist so ein Highlight auf so einer langen Reise!).



Zum Abschluss zogen wir uns noch einen fünftägigen Trek rein um noch mal unsere Kondition zu pushen. Die ersten drei Tage quälten wir uns nur bergauf. Permanent. Sieben Stunden pro Tag mindestens. Am dritten Tag wurden wir um 5 Uhr Morgens einen Berg in kompletter Dunkelheit hochgejagt. Wieder zogen wir uns an riesigen Steinbrocken nach oben. Um kurz nach sechs ging die Sonne auf. Vor uns lag ein Teil des Himalayas inkl. zwei Achttausender. Die Anstrengung war es allemal wert. Anschliessend mussten wir noch 6 Stunden zum nächsten Ziel latschen. Die Unterkünfte auf diesen Wanderungen sind oft sehr spartanisch. Strom und warmes Wasser gehörte zum Luxus. Wir hatten einmal Luxus während der 4 Nächte.

An einem Tag mussten wir 3000 Stufen (andere haben diese einmal gezählt) steigen. Also Stufen sind hier treppenartig angelegte Steinbrocken. Als es bergrunter ging, sass ich oft auf dem Hintern. Nach 5 Tagen kamen wir verdammt erschöpft wieder in Pokhara an. Aber es fühlte sich gut an. Jedenfalls sind wir hier auf den Geschmack gekommen und wir planen schon unsere Annapurna Umrundung nächstes Jahr.



Wir ruhten uns noch einen Tag in Pokhara aus und fuhren wieder zurück nach Kathmandu. Diesmal ging es im Touristenbus zurück. In Kathmandu trafen wir Shiva von Social Tourism Development Research & Foundation (STDRF), welcher uns zu unserer Gastfamilie brachte. Vor uns liegt nun ein zweiwöchiges Volunteering.

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